Das Siegerprojekt stellt sich vor: Wo Schmetterlinge ein Paradies finden

Fotocredits: Fertschey

Mit Kräutergarten und Schmetterlingswiese mitten im Ort schafft die Gemeinde Eberstein einen wertvollen und blühenden ökologischen Lebensraum, fördert Umweltbildung und Lebensqualität.

In dieser Wiese schlummert und gedeiht eine eigene Welt. Eine Welt der Lebendigkeit und Vielfalt, in der es summt, zirpt und schwirrt, blüht und duftet. Eine Oase in Grün, in der hunderte Blumen, 400 Kräuter, zahlreiche Stauden, Sträucher, Bäume und Tiere, die diesen Lebensraum nutzen, zur Entdeckungsreise laden. Angelegt wurde das 2009 projektierte Wunderwerk der Natur von der Gemeinde Eberstein, die 2012 Kräutergarten und Schmetterlingswiese nahe der Kirche zusammenlegte, um optimale Lebensbedingungen für Schmetterlinge zu schaffen. Auch ein Beerengarten wurde angelegt. „Schmetterlinge und ihre Raupen spielen eine wichtige Rolle als Nahrungsquelle für Vögel und als Bestäuber für viele Pflanzen“, erläutert Amtsleiter Lukas Schellander, der gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Grabuschnig einen ökologisch wertvollen Lebensraum schaffen und einen aktiven Beitrag zu Schutz und Erhalt der wertvollen Insekten leisten will. Schritt für Schritt sei das Projekt gewachsen und ziehe viele Menschen an, erklärt Gabriele Propst, vom österreichischen Verein „Freunde naturnaher Lebensweise“ FNL ausgebildete Kräuterexpertin. Beim Rundgang durch das Dorado der Biodiversität zeigt sie auch die Kinderstube zahlreicher Schmetterlinge, das Raupenbeet. So legt der Schwalbenschwanz gerne seine Eier in den Gewürzfenchel. „Daraus entwickelt sich eine wunderschöne Raupe, die Kinder gerne sehen“, sagt Propst.

Im Salbeibeet gedeihen Frauensalbei, Marienblattsalbei und der Wiesensalbei, der mit seinem Kippmechanismus Nektar-saugende Hummeln mit Blütenpollen bepudert und sich so die Bestäubung sichert, ein Beispiel für die perfekte Anpassung zwischen Blüte und Bestäuber. Der Muskateller-Salbei ziehe die blauflügelige Holzbiene an, die in den morschen Beet-Einfassungen überwintert, erzählt Propst. Unzählige Insekten wie Wildbeeren, Erdbienen, Erdwespen und Hummeln können ihre Bestäubungsaufgabe erfüllen, in Totholzhaufen finden Igel Unterschlupf. Auch die Heilpflanzen Andorn, Herzgespann, das zarte, gelbblühende Schöllkraut und das seltene, unter Naturschutz stehende Tausendgüldenkraut finden sich in der Kräuterwiese, ebenso wie der weiche Wollzist, den Kinder gerne anfassen.  Brennnesseln, die Schmetterlingsraupen lieben, sind überall vorhanden, oft entfliegt ihnen später ein Admiral oder ein Distelfalter, ein Kleiner Fuchs, ein Landkärtchen oder ein Tagpfauenauge. Auch Minzen, Melissen, Allant und Kalmuswurzel gedeihen, ebenso wie Thymian, um den die Bläulinge tanzen, Fenchel und Dill liebt der schöne Schwalbenschwanz.

Im Sommer erfüllt der Honigduft von Mähdesüß die Luft, diese Pflanze lieben Kaisermantel und Kleines Nachtpfauenauge, es blühen bunt Wildrosen, Sonnenhüte, Zinnien, hohe Nachtkerzen und Sträucher wie Kornellkirsche, Aronia und Schlehe, Hasel, Sanddorn und Eberesche sind Lebensraum für viele Insekten und Vögel, ebenso wie die Bäume des keltischen Baumhoroskops wie Hainbuche, Pappel, Tanne, Trauerweide. Auch eine Zeder ist dabei. Das Beifußbeet sei heuer noch ein „Lumpenbeet“, lacht Propst und zeigt auf ein Mauskraut, das in der Mittagshitze platzt und Kinder zum Lachen bringt.  Jetzt im Oktober leuchten noch einige Herbstastern, die rötlichen Fetthennen-Stauden und strahlend gelb auch noch die Färberkamille aus der Wiese, in und auf der es ruhiger geworden ist. Nur am Hang striduliert eine unermüdliche Heuschrecke ausdauernd in Erinnerung an den Sommer, während die ersten Fledermäuse, die am Waldrand ihr Quartier haben, den nahenden Abend begrüßen. Brombeeren und Himbeeren sind geerntet, sie waren Nahrung für die Raupen von Perlmuttfalter und Russischer Bär, der auch Natternkopf, Taubnessel und Wiesensalbei als Kinderstube nützt.

“Ich habe die schöne Aufgabe, Kindern die Natur nahe zu bringen und sie ganzheitlich denken zu lehren. ” - Gabriele Propst

Probst hat heuer 200 Kinder auf Landschulwoche mit ihren Führungen begeistert. Dass Kräutergarten und Schmetterlingswiese von Bevölkerung und Gästen so gut angenommen werden und damit das Ziel Umweltbildung und Sensibilisierung für den Naturschutz erreicht wird, freut auch Lukas Schellander und Andreas Grabuschnig, die für das Projekt die „Schotterabgabe“ des Steinbruchunternehmens Dolomit Eberstein Neuper sinnvoll verwenden. „Wir wollen den Menschen vermitteltn, was es in unserer Heimat für wunderbare, schützenswerte Vielfalt gibt. Das ist unser Auftrag“.

Projektträger: Marktgemeinde Eberstein, Unterer Platz 1, 9372 Eberstein

Kontakt: Lukas Schellander, eberstein@ktn.gde.at

Fotocredits: P. Holub
Fotocredits: Manfred Auer
Fotocredits: Roland Schiegl

Das Natura 2000-Gebiet Lendspitz-Maiernigg wurde durch das Projekt Senal 2.0 des Vereins INIZIA so umfangreich dokumentiert und illustriert wie kaum ein Naturschutzgebiet in Kärnten.

Ruft man die Website www.senal.at auf und surft sich durch das schwebende Menü, so kommt man ob der fantastischen Bilderfülle und Tonaufnahmen, die einen sensationellen Zugang zur Natur im Natura 2000-Gebiet Lendspitz-Maiernigg erlauben, aus dem Staunen nicht heraus. Man sieht und hört die unterschiedlichsten Vögel, Amphibien, Reptilien, Insekten, Spinnentiere und Säugetiere und selbst die für Menschen unhörbaren Laute der Fledermäuse werden ins Hörbare übersetzt. Auch viele Pflanzen zeigen ihre Schönheit. Man kann sich vorstellen, dass es sehr viele Dateien sind, die sich auf dieser Website zu einem Kaleidoskop der Biodiversität verdichten und das Projekt Senal 2.0 zu einem besonderen visuellen und akustischen Erlebnis für Groß und Klein machen. Aber die unglaubliche Zahl von 562.000 Dateien hat sich wohl kaum jemand vorgestellt. Und doch ist es so, man kann im Büro des ehemaligen AHS-Lehrers für Biologie, Chemie und Physik, Peter Holub, der gemeinsam mit Rolf Holub das Projekt koordiniert, dem Computer minutenlang beim Zählen der Dateien zusehen. „Jede akustische Fledermaus-Aufnahme erzeugt mehrere Dateien“, versucht Holub die Datenfülle, die in Clouds, auf vier Festplatten und in einem eigenen Sicherungssystem lagert, zu erklären. Allein die Bilder der 42 entdeckten Libellenarten würden 5000 Dateien beinhalten. „Alle Fotos sind auf Basis von Beobachtungen entstanden“. Die meisten extern gespeicherten Makro-Aufnahmen, die das Unsichtbare sichtbar machen und dem Betrachter eine neue Welt erschließen, stammen vom international ausgezeichneten Makro-Fotografen Manfred Auer.

Die multimedialen Inhalte, darunter 20.000 Fotos, 200 Videos und zahlreiche Audiobelege in der Größe von mehr als 10 Terabyte, vorwiegend mit Geräuschen von teilweise streng geschützten Vögeln und Fledermäusen, sind benutzerfreundlich aufbereitet und dokumentieren den Artenreichtum in Flora und Fauna des Natura 2000-Gebietes Lendspitz-Maiernigg am Ostufer des Wörthersees. Die Vielfalt der erhobenen Daten wird durch die neue Website und durch die Erweiterung des QR-Erlebnispfades vom Areal des Lake Side Parks bis hin zum Naherholungsraum am Wörthersee-Ostufer einem noch größeren Publikum nahegebracht. Der Erlebnispfad mit 24 Stationen ermöglicht es, nicht invasiv über QR-Infopunkte das Gebiet auditiv und visuell zu erleben. Drei mobile Live-Recorder übermitteln ihre Aufnahmen direkt in die Cloud, sodass Vogelstimmen in Echtzeit online auf der QR-Pfad Station „Vögel“ im Web und an den QR-Stationen im Lakeside-Park mitverfolgt werden können.

Das vor sechs Jahren begonnene Projekt Senal des ehrenamtlich tätigen Vereins INIZIA für Begabungs- und Begabtenförderung in Kärnten, das neben Biodiversitätsmonitoring auch die Verbesserung der ökologischen Voraussetzungen im Schutzgebiet wie zum Beispiel die Bekämpfung des aggressiven amerikanischen Sumpfkrebses zum Ziel hat, wurde seit 2024 ausführlich erweitert und zielt nun als Senal 2.0 besonders auf die Bereiche Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit und Citizen Science ab. So wurden Info-Broschüren für Kinder entwickelt, eine Kartei des Schutzgebietes in Form von Spielkarten aufgelegt und Kurse für Kinder, Jugendliche und Familien in Kooperation mit dem Educational Lab am Lakeside Park eingerichtet, weitere Modulentwicklung ist geplant. Es gibt Exkursionsangebote und Führungen für Mitarbeitende des Lake Side Parks. Das Konzept soll Verbreitung finden und ähnliche Projekte in anderen Gemeinden ermöglichen.

„Unser Ziel mit Senal 2.0 ist die Präsentation des Biodiversitätsmonitorings, das wir mit dem Projekt Senal begonnen haben. Die Ergebnisse unserer Forschung und Arbeit werden nun opulent serviert“, sagt Holub, der das Fachdidaktikzentrum für Naturwissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Kärnten gegründet und geleitet hat. Vor seiner Haustüre hat er aktuell zwei Live-Stationen, die Vogelzwitschern aufnehmen.

Bislang wurden 186 Vogelarten dokumentiert, 398 Käferarten wurden von Bruno Brudermann entdeckt. Sensationen sind Raritäten wie die Libelle Große Moosjungfer, der Große Feuerfalter und die Nachweise neuer Arten für Österreich wie zum Beispiel jener der Steppen-Bartfledermaus. Fotos von Fischen wurden von einer Unterwasser-Drohne gemacht. Insgesamt wurden über 2000 Tierarten, mehr als 100 Pilzarten und 300 Pflanzenarten nachgewiesen und über 200.000 Rufe und Signale von Tieren registriert.

Schaufenster zum Schutzgebiet und wichtigstes Instrument der Öffentlichkeitsarbeit ist die völlig neugestaltete Website www.senal.at, die sich an Laien, Kinder und Jugendliche richtet und optisch und bezüglich Zugriffsgeschwindigkeit optimiert wurde. Neben mehr als 5000 Bildern, zahlreichen Videos und Audioaufnahmen präsentiert sie für Wissenschafter und Hobbyforschende detaillierte Fakten, Daten und Berichte. Das Besondere ist die harmonisch zu den Bildern passende musikalische Untermalung. So hört man zum Beispiel zum Summen der Bienen ein Violincrescendo oder beim Tanz der Libellen über dem Wasser das Regentropfen-Prelude von Chopin.

Interpretiert am Klavier, abgemischt und geschnitten am Computer wird die klingende Untermalung von Peter Holub, der auch eigene Kompositionen beisteuert und das Online-Naturerlebnis zu einem ganzheitlichen Kunstwerk macht, das fasziniert und berührt und der Bevölkerung ein Gefühl der Mitverantwortung vermitteln soll.

Standort: Kärntner Botanikzentrum, Prof.-Dr.-Kahler-Platz 1, 9020 Klagenfurt
Kontakt: roland.eberwein@kaernten.museum

Kontakt: office@grips-agentur.atwww.minimuseum.at

Fotocredits: Fertschey

Das Kärntner Botanikzentrum rettete als Erfinder einer weltweit einmaligen Methode eine wertvolle Pflanzensammlung und machte historische Biodiversitätsdaten erstmals verfügbar: Die Geschichte des Traunfellner-Herbariums.

Es waren zwölftausend Belege getrockneter und gepresster Pflanzen von unschätzbarem Wert für die Nachwelt, vom Klagenfurter Pharmazeuten Alois Traunfellner von der „Apotheke vorm Lindwurm“ Anfang des 19. Jahrhunderts wissenschaftlich erfasst, bestimmt, beschriftet und archiviert – und doch dem Verderben preisgegeben. Sie lagerten Jahrzehnte lang unbeachtet in einem Depot in der Klagenfurter Burg und wurden nach einem Wasserrohrbruch durch Feuchtigkeit und Schimmelbefall schwer beschädigt. Pflanzen-Anatom Roland Eberwein, Leiter des zum Landesmuseum gehörenden Kärntner Botanikzentrums im Botanischen Garten Klagenfurt entdeckte den Wert der Pflanzensammlung, die „Unmengen an Belegen“ über die Kärntner Flora, Alpenpflanzen und exotische Pflanzen enthält und einst von Traunfellner dem Stift St. Paul im Lavanttal geschenkt und später dem Naturhistorischen Landesmuseum in Klagenfurt übergeben worden war, im Jahr 2001.

Eberwein erinnert er sich und führt das größte Problem an: Etwa 300 Pflanzen, ursprünglich lose eingelegt zwischen Papierbögen und Umschlägen, die später von gefährlichem Schimmel zersetzt wurden, klebten zwischen Papierschichten fest und konnten nicht vom Untergrund gelöst werden.  Wie könnte man die Pflanzen vom Papier befreien, ohne dass beides beschädigt wurde, war die große Frage, die das Botanikzentrum Jahre lang beschäftigte. Kontinuierlich wurde trotz Personalmangel intensiv nach Lösungen gesucht. Besonders involviert war Bibliothekarin Sonja Kuß, für die das Aufbewahren eines Herbariums ein „kultureller Auftrag“ ist.  Inspiriert von der neuen Herausforderung, absolvierte die Literaturwissenschafterin zahlreiche Fachkurse zur Papierrestaurierung, um Methoden zu erlernen, das Traunfellner-Herbarium, das von globaler Bedeutung ist, der Wissenschaft zugänglich zu machen.

Sie war es dann auch, die die Idee für ein neuartiges Verfahren von internationaler Relevanz entwickelte: Nach vorsichtiger Befeuchtung, Trennung und Reinigung der Papierlagen bestrich Sonja Kuß Japan-Papier, ein handgeschöpftes, hauchdünnes, aber reißfestes Papier mit langen Fasern, mit einem lösbaren Kleber aus Weizenstärke und drückte es sanft auf die Pflanzenteile. Nach erfolgter Antrocknung wurde das Japanpapier abgezogen und die darauf haftenden Pflanzenteile waren verkehrt – invers – auf dem Japanpapier fixiert. „Wir mussten herausfinden, wie lange wir den Kleber anreiben müssen, damit sich das Bild löst, das Papier aber an den Stellen hält, an denen ich es abziehen möchte“, schildert Sonja Kuss die langwierige „Übungssache“.  Nach erfolgreicher Ablösung der Pflanzen wurden sie auf Herbarkarton aufgespannt und fachgerecht archiviert. „Wir sind weltweit die ersten, die mit dieser Methode Erfolg hatten und damit ein Archiv nutzbar gemacht haben“, freuen sich Kuss und Eberwein, die die gesamte Sammlung mit zwölftausend Pflanzen in zeitaufwendiger Feinarbeit restauriert haben.

Besonderheiten des Traunfellner Herbariums sind die ursprüngliche systematische Ordnung gemäß dem „Systema Vegetabilium“ von Carl von Linné und Typusbelege damals neuer Arten aus fernen Weltgegenden. Derartige „sensationelle Funde“ seien auch wertvoll für die Erforschung von Neophyten, die invasiv und giftig sein könnten, hebt Eberwein einen der Nutzen von Herbarien hervor.

Fotocredits: Botanikzentrum Kärnten

Herbarien sind Sammlungen gepresster und getrockneter Pflanzen, die auf Archivkarton befestigt und mit Daten versehen werden. Sie sind Grundlagen für wissenschaftliche Arbeiten und umfassende Quellen zu Biodiversität und deren Veränderung, sowie zu Biotechnologie und Kulturgeschichte. Die ersten Herbarsammlungen entstanden im frühen 16. Jahrhundert in Italien und England. Viele werden heute noch verwendet. Weltweit sind 3000 Herbarien in einer Datenbank erfasst.

Das Kärntner Landesherbar umfasst mehr als 205.000 Belege von Blütenpflanzen, Nadelgehölzen und Farnen, sowie 67.000 Belege von Algen, Moosen, Pilzen und Flechten. Hinzu kommen Sondersammlungen von Hölzern, Früchten, Samen und Pflanzendrogen sowie 12.000 Pflanzenfossilien.

Zu den Besonderheiten des Landesherbars gehört das Algen-Herbarium des k & k – Flottengenerals Maximilian Freiherr von Sterneck (1829 – 1897). Die filigranen Gebilde aus der Oberen Adria wurden früher sogar auf Visitenkarten verwendet. Das Herbarium im Museum der Stadt Villach ist das zweite in Kärnten.

Standort: Kärntner Botanikzentrum, Prof.-Dr.-Kahler-Platz 1, 9020 Klagenfurt
Kontakt: roland.eberwein@kaernten.museum

Kontakt: office@grips-agentur.atwww.minimuseum.at

Fotocredits: Weichselbraun/Batek
Fotocredits: Minimuseum
Fotocredits: Fertschey
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Kinder als Museumskuratoren: Das „MINI-Museum“ in Mallnitz mit Exponaten, die Kinder in der Natur gesammelt haben, ist einzigartig im deutschsprachigen Raum. Artenvielfalt wird ein Jahr lang in den Schulunterricht integriert. Bewusstseinsarbeit in der Region wird geleistet.

Da gehen dem Betrachter die Augen über angesichts der Vielzahl an Schätzen, die sich liebevoll und kunstvoll arrangiert in Glasvitrinen präsentieren und Zeugnis geben von der Begeisterung der Kinder, die die Fundstücke aus der Natur gesammelt und analysiert haben. Sehen kann man etwa Federn von Vögeln und deren Nester, Tierschädel und -pfoten, Gebisse und Geweihe, Hörner, Pflanzen und Moose, Insekten, Schmetterlinge und vieles mehr. Die Nationalpark-Kindergruppe „Tauernzwerge“ hat sich damit gemeinsam mit Volksschule Mallnitz und Mittelschule Obervellach ihr eigenes „MINI-Museum“ im BIOS Nationalparkzentrum in Mallnitz geschaffen. Dort werden über 2000 Exponate, die etwa 100 Kinder im Alter von ein bis 14 Jahren in eineinhalb Jahren in der Natur aufgespürt haben, in 26 Schaukästen präsentiert, alphabetisch geordnet von A wie Adlerfeder bis Z wie Zirbenzapfen. Das Gesamtwerk unter dem Motto „Kleine Hände, große Schätze“ ist eine lebendige und ansprechende Installation, die kleine und große Besucher neugierig macht und die dahinterstehende Sorgfalt und Liebe nachvollziehen lässt.

Jedes Exponat hat eine Nummer, die man im Register daneben findet und somit herausfinden kann, worum es sich handelt. Ideal, um bei einem Besuch ein Quiz daraus zu machen, bei dem auch Erwachsene ihre Naturkenntnis unter Beweis stellen können. In vielen Fällen würden die „Tauernzwerge“ den Sieg davontragen, sie sind nämlich durch ihre Neugier und die fantasievolle Integration des Themas Artenvielfalt in verschiedene Unterrichtsfächer zu kleinen Experten geworden, die mittlerweile viele Tiere und Pflanzen erkennen und Nachweise zu Raritäten in der Region liefern. So wurden Fledermäuse, Smaragdeidechsen und der seltene Schmetterling Russischer Bär aufgespürt. „Viele Kinder haben sich so sehr in das Fach vertieft, dass sie Apps herunterladen, um zum Beispiel Schmetterlinge selbst bestimmen zu können. Kindergartenkinder, die noch nicht lesen können, haben gelernt, sie zu zeichnen“, freut sich Projektleiterin und Biologin Gudrun Batek, die als langjährige Umweltbildnerin auch diese Idee entwickelt und umgesetzt hat. „Die Kinder haben eine große Artenkenntnis entwickelt“. Davon seien auch viele Pädagoginnen und Pädagogen sowie Eltern angesteckt worden.

“Mit dem Projekt leisten wir Bewusstseinsarbeit in der Region.”

Fotocredits: Fertschey

Ziel des MINI-Museums ist es, natur- und kulturbezogene Bildungsinhalte kindgerecht aufzubereiten und öffentlich zugänglich zu machen, gestaltet und präsentiert von den Kindern selbst. „Bei uns sind die Kinder Museumskuratoren“, sagt Batek. „Im Fokus stehen dabei das Lernen und Erfahren von Biodiversität für Kinder und Erwachsene. Dieses generationsübergreifende Vorhaben ist einzigartig im deutschsprachigen Raum“. Wer einmal miterlebt hat, wie engagiert und kenntnisreich die „Tauernzwerge“ ihr MINI-Museum vorstellen, weiß, dass das Konzept aufgegangen ist. Schüler und Schülerinnen haben ihre eigene Arbeitsplattform „taskcards“ gegründet, auf der sie rund 1000 Fotos und Videos aufbereitet haben, es gibt Website, Flyer, Lieder, Gedichte und Moderationsunterlagen zum Thema.

Es konnten sogar weitere Bildungseinrichtungen wie drei Kindergärten in Villach, die Volksschule Arriach und die Praxisvolksschule in Klagenfurt gewonnen werden, die mit Unterstützung des Teams aus Mallnitz ein eigenes MINI-Museum bauen. Das MINI-Museum, das als Wanderausstellung derzeit in der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt gastiert, wird fachdidaktisch beforscht, alle Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung fließen, um auch künftige Besucher auf möglichst innovativem Weg an die Biodiversität heranzuführen.

Es konnten sogar weitere Bildungseinrichtungen wie drei Kindergärten in Villach, die Volksschule Arriach und die Praxisvolksschule in Klagenfurt gewonnen werden, die mit Unterstützung des Teams aus Mallnitz ein eigenes MINI-Museum bauen. Das MINI-Museum, das als Wanderausstellung derzeit in der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt gastiert, wird fachdidaktisch beforscht, alle Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung fließen, um auch künftige Besucher auf möglichst innovativem Weg an die Biodiversität heranzuführen.

Auszeichnungen. Das MINI-Museum wurde von der Pädagogischen Hochschule Kärnten als EIL4MINT-Projekt ausgezeichnet und in Kooperation mit dem Lakeside Park finanziell und wissenschaftlich-pädagogisch unterstützt.
Der bundesweite IMST Award in der Kategorie „institutionsübergreifende Projekte“ konnte im Herbst 2024 in Wien entgegengenommen werden.
Projektkoordination und Finanzierung: Erstes Europäisches Klima- und Umweltbildungszentrum EKUZ in Mallnitz, Abteilung 8 Kärntner Landesregierung
Die Ausstellung ist derzeit in der Aula der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt zu sehen, ab Februar im Kärnten Museum und im Herbst 2026 in der Innenstadt von Villach.

Kontakt: office@grips-agentur.atwww.minimuseum.at

Fotocredits: Elke Fertschey

Die ersten Kärntner Kastanien, das erste Risotto aus Urgetreide, Ackerbohne und ein EU-Forschungsprojekt: Martina und Mario Payer sind erfolgreiche Pioniere auf dem naturnahen Weg zu gelebter Biodiversität.

Es sieht so aus, als könnte man bald zum Törggelen geladen werden. Die ersten Kärntner Kastanien gibt es schon, sie fallen jetzt im Herbst von den Bäumen, der Wein soll bald auf den sonnigen Hügeln hinter dem Hof reifen. Vieles, was es andernorts nicht gibt, ist bereits Alltag auf dem Simon Hof in Mittertrixen, wo auch der sehr seltene Tauernroggen gedeiht, der mit einem völlig neuen Verfahren aufgeschlossen wird, wo die Ackerbohne erstmals wieder angebaut wird und ein österreichisches Innovationsprojekt zur Erforschung eines Mittels gegen den Kastanienrindenkrebs initiiert wurde. Es muss ein guter Nährboden für Innovationen sein, das Grün- und Ackerland rund um den Simon Hof, bei dessen Anblick man sich in einer Bilderbuch-Idylle wähnt. Dass sie nicht von alleine kommt, sondern mit Fleiß geschaffen und erhalten werden muss wird sofort klar, wenn man Martina und Mario Payer kennenlernt.

Das Neo-Landwirte-Paar hat den wunderschön gelegenen und gepflegten, aber landwirtschaftlich weitgehend stillgelegten Erbhof von Martinas Eltern übernommen, die Streuobstwiese mit wertvollen alten Sorten revitalisiert, damit ein Paradies für viele Tierarten und einen Genpool geschaffen, Baumhöhlen für Vögel, Fledermäuse, Insekten und Nistkästen für Zwergohreulen angelegt, neue Pflanzen und Anbauarten etabliert und die Marke „Karinta“ für ihre Produkte kreiert.

Zwischen den Äckern wurden Biodiversitätsflächen für artenreiche Flora und Fauna angelegt, auf Spritz- und Düngemittel wird verzichtet. „Uns ist wichtig, die genetische Vielfalt zu erhalten. Wir wollen die Biodiversität stärken, um heimische Arten zu retten“, sagen die beiden, die die proteinreiche und nahrhafte Ackerbohne erstmals wieder in Österreich für die menschliche Nahrung und als Leguminose, die Stickstoff aus der Luft in Form von Knöllchenbakterien in den Boden einbringt, als Dünger für den Roggen in Fruchtfolge angebaut haben.  Doch die gesamte Ernte fiel heuer im August der Trockenheit und infolge dem Ackerbohnenkäfer zum Opfer.  „Das ist sehr traurig“. Doch aufgeben wollen die Eltern von zwei Töchtern nicht. Im Gegenteil. Irgendwann möchten sie in den landwirtschaftlichen Vollerwerb gehen. „Es ist ein Generationenprojekt“. Das Anlegen von Hecken und Feuchtgebieten, um Lebensraum für Flora und Fauna zu schaffen, steht auf dem Programm „Agroforst“ des Ehepaares, das ressourcenschonend Nischenprodukte erzeugen will.

“Wir möchten das Potenzial des Hofes nutzen und naturnah sein. Wir sind Menschen, die etwas bewegen wollen.”

Fotocredits: Elke Fertschey
Fotocredits: Simon Hof

Vor acht Jahren wurde nach zweijähriger Planung auf einem Hektar die erste Edelkastanienplantage Kärntens mit unterschiedlichsten Sorten errichtet.  „Es hieß, Edelkastanien würden in Kärnten nicht wachsen und wir wurden sehr belächelt“, erinnert sich Mario Payer, als Wirtschaftsingenieur, der bei der Caritas arbeitet, ein Quereinsteiger in der Landwirtschaft. Mittlerweile haben die Pioniere auf 400 Bäume auf drei Plantagen aufgestockt. Den Wühlmäusen wirkt man ökologisch mit Förderung ihrer Fressfeinde durch Mauswieselhöhlen und Ansitzstangen für Greifvögel entgegen. „Man unterschätzt, wie viel Arbeit und Liebe in so einem Projekt stecken, aber es hat sich gelohnt“, sagt Martina Payer, die nach dem Studium der Anglistik und Medienwissenschaften hauptberuflich in den Bereich der Nahrungsergänzungsmittel eingestiegen war und seit 2023 Betriebsleiterin am Simon Hof ist.

Unermüdlich suchten die Neo-Landwirte präventiv nach einer Möglichkeit, den zerstörerischen „Kastanienrindenkrebs“, einer von Sporen übertragenen Pilzerkrankung bei Kastanienbäumen, zu besiegen. Nach intensiven Recherchen entdeckte Martina, dass es einen Schlauchpilz gibt, der sich als Parasit von anderen Pilzen ernährt.

Nach Anwendung in einem Labor konnte die Vermehrung des Pilzes, der den Kastanienrindenkrebs verursacht, zu hundert Prozent gestoppt werden. Für die teure wissenschaftliche Überprüfung suchten Martina und Mario als private Landwirte institutionelle Partner, um ein förderfähiges EU-Projekt einreichen zu können. Nach langem Bemühen wurden sie bei der Europäischen Innovationspartnerschaft für landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit EIP-AGRI fündig. Die 130 Seiten lange Projektbeschreibung wurde 15 Minuten vor Ablauf der Zeit eingereicht, lacht Martina Payer, die   die erste Privatperson ist, die ein derartiges Projekt, das von einer Dissertantin und der Versuchsanstalt Haidegg begleitet wird, leitet.

Auf der Suche nach regionalen Kulturen und Pflanzen, die eine „gewisse Biodiversität“ bieten, kam das Paar, das unter der Woche vorwiegend in Graz lebt und sich daheim auf einen mithelfenden Nachbarn verlassen kann, auf eine uralte Winterroggensorte, die nur noch im Lungau angebaut wird: Sie braucht weder Düngung noch Pflanzenschutzmittel, ist pflegleicht und kaum anfällig für Krankheiten: der Tauernroggen. Er wird nun mit Saatgut aus dem Lungau das vierte Jahr angebaut. Der Ertrag ist bei maximal zwei Tonnen pro Hektar gering, „Er wächst als alte Sorte bis zu zweieinhalb Metern hoch und entkommt so der Bodenfeuchte“, sagt Martina, die Risotto-Roggen erzeugen wollte. Doch wie könnte er so bearbeitet werden, dass die Stärke im Korn eine cremige Konsistenz erzeugt, war die große Frage. „Es war ein langer Weg dorthin“, sagt Martina Payer, die wieder innovatives Gespür zeigte. Als das Schälen des Korns als Möglichkeit ausschied, entdeckte sie die Alternative des Schleifens an gewissen Stellen. „Ich habe in Mühlen in ganz Europa und sogar in China eine passende Schleifmaschine gesucht“, erzählt sie von einer Odyssee, die sie auch nach Deutschland führte, wo sie schließlich „zufällig“ fündig wurde. Eine 100.000 Euro teure Maschine wird nun mit einem regionalen Partner gemeinsam in Betrieb genommen. „Unser Roggen ist der erste, der geschliffen wird“. Das Ergebnis, das Roggen-Risotto, wird an die Spitzengastronomie verkauft, ist bei Interspar und in Lagerhäusern im Bauernregal sowie weiteren Partnern erhältlich.

Standort: Simon Hof, Führholz 5, 9102 Mittertrixen
Kontaktkontakt@karinta.at
Homepagewww.karinta.at, EIP AGRI Projekt Castanea: www.eip-castanea.at